Serie: Trends im E-Learning, Teil II

Quelle: Screenshot blizzard.com

Der jährlich erscheinende NMC Horizon Report beschreibt verschiedene Trends im E-Learning- und Bildungsbereich. In einem unserem letzten Beiträge hatten wir bereits mobile Apps und Tablet Computing als richtungsweisend für die Branche innerhalb der nächsten zwölf Monate vorgestellt. Etwas ferner in der Zukunft sehen die Autoren des Reports noch weitere Entwicklungen für das E-Learning. Welche das sind, verraten wir in diesem Beitrag.

Game-basiertes Lernen

Für die nächsten zwei bis drei Jahre geht der Horizon Report davon aus, das Game-basiertes Lernen eine wichtige Rolle spielen wird. Darunter versteht man, dass Lernen und Spielen verbunden werden, wodurch man sich schnellere Erfolge erhofft. „Studierende engagieren sich, weil sie motiviert sind beim nächsten Mal besser zu sein, zur nächsten Stufe zu gelangen und das Ziel zu erreichen“, so die Autoren der Studie.

Dass die Verknüpfung von Lehrinhalten und Videospielen Erfolg hat, haben bereits diverse Untersuchungen gezeigt. Deshalb hat die Standfort University beispielsweise das Spiel „Septris“ entwickelt, das sich vor allem an Ärzte und Krankenschwestern richtet. In dieser digitalen Welt behandeln die Spiele Patienten, deren Gesundheitszustand sich stetig verschlechtert. In dem Spiel üben sie das, was sie auch im richtigen Berufsleben machen würden: Krankenakten lesen, Laboruntersuchungen in Auftrag geben und sich nebenbei noch um die anderen Patienten kümmern.

Doch nicht nur für spezielle Lernsoftware, die so genannten serious games, sehen die Autoren Potenzial beim Lernen. Auch herkömmliche, vorrangig zur Unterhaltung programmierte Spiele, können positive Effekte haben. Vor allem Massively Multiplayer Online Games (MMOG) so wie World of Warcraft oder Minecraft sollen die Zusammenarbeit im Team fördern. „Dieser Spieletyp bringt viele Spieler zusammen, um an Aufgaben zu arbeiten, die eine kollaborative Lösung erfordern“, heißt es in der Studie. „Ihre Verbindung zur Lehre besteht in den höchsten Ebenen der Interaktion, in denen das Spielen Teamarbeit, Führungsqualitäten und Entdeckergeist erfordert.“

Learning Analytics

Bei Learning Analytics geht es hauptsächlich um eines: Daten. Hinter dem Begriff verbirgt sich die sinnvolle Nutzung von Informationen, die Universitäten über ihre Schüler haben. Dazu gehören unter anderem Noten, Anwesenheit, abgelegte Prüfungen, aber auch Aktivitäten außerhalb des Lehrplans und soziale Interaktionen. Momentan gibt es bereits Projekte an diversen US-Universitäten, die auf Grundlage von Informationen über Studenten errechnen, mit welcher Note beispielsweise ein Teilnehmer ein Seminar in etwa abschließen wird.

Das Konzept soll jedoch noch mehr können. „Das größte Versprechen von Learning Analytics ist jedoch, dass, bei korrekter Nutzung und Interpretation der Daten, Lehrende die Lernbedürfnisse der Studierenden genauer verstehen und den Unterricht sehr viel präziser und schneller daran anpassen können“, heißt es im Horizon Report. Dadurch sollen nicht nur die Leistungen der Studenten verbessert werden, sondern auch der Prozess, wie die Lehre gestaltet wird.

Größtes Problem derzeit ist jedoch noch die Aufbereitung der Daten. Diese liegen zwar meist alle vor, oft aber nicht an einer Stelle. Eine vernünftige Auswertung ist zudem auch sehr zeitaufwendig.

Lesen Sie im dritten Teil, was sich hinter gestenbasiertem Computing und dem Internet der Dinge verbirgt.

Serious Games: Mit Foldit Zellbiologe spielen

Bisher richteten sich die meisten Serious Games, die ich hier im Blog vorgestellt habe, eher an Soziologen und weniger an Naturwissenschaftler. Das ändert sich nun. Mit dem Computerspiel Foldit helfen Laien, die komplexe Wissenschaft der Proteinfaltung zu verstehen. Immer mehr Serious Games lagern wichtige Aufgaben an Gamer aus, so auch in diesem Fall.

Es handelt sich dabei um ein komplexes, wissenschaftliches Problem, welches mit Rechnern alleine nicht mehr zu bewältigen ist. Die Proteinfaltung ist daher ein besonders geeignetes Themengebiet für ein solches Serious Game.

Mit Maus und Verstand müssen die Foldit-Spieler das wirre Knäuel auf dem Bildschirm so umformen, dass ein möglichst kompaktes Gebilde daraus entsteht. Jeder kleine Erfolg wird unmittelbar als steigender Punktestand angezeigt.

Für mich als eingefleischten Geisteswissenschaftler (und völligen Mathe/Bio/Chemie-Versager) ist das natürlich nichts. Aber falls Ihr mal Foldit spielen möchtet, um der Wissenschaft einen Dienst zu erweisen (oder um einfach nur mal ein wenig moralisch korrekt zu zocken), dann klickt HIER und probiert es selber aus…ich denke da besonders an unsere Lecturio-Med User! Bazinga!

Fotos: Biojobblog & Wikipedia

(The Most) Serious Game: Inside the Haiti Earthquake

Sechs Monate haben Dokumentarfilmer in Haiti gedreht und aus dem Material ein Computerspiel gemacht. Es zeigt, wie Newsgames helfen können, solche Katastrophen zu verstehen.

Ziel des Games, das kostenlos über einen Internetbrowser gespielt werden kann, ist es, die Situation kennenzulernen. Punkte gibt es nicht, einen Gewinner natürlich auch nicht, die Situation soll nacherlebt (bzw. berhaupt mal gelebt) werden. Dazu kann der Spieler wählen, ob er die Zeit nach dem Erdbeben als Journalist, als Helfer oder als Überlebender erfahren möchte. Der Einstieg ist simpel, nach einer Videosequenz mit Bildern der Zerstörungen folgt die Frage, welche Rolle der Spieler einnehmen will. Je nachdem wie er sich entscheidet, ändert sich der Verlauf des Spiels, die Geschichte.

Das Team von golem.de hat eine Art Trailer produziert, der euch erste Einblicke in das Serious Game gewährt (ACHTUNG: teilweise drastische Bilder!) und bei ZEIT ONLINE ist zu dem Thema ebenfalls ein sehr interessanter Artikel erschienen.

Fazit: Ich finde den Ansatz mehr als gelungen. Was hier aus einer Art medialer Resteverwertung geschaffen wurde, ist beeindruckend und zudem auch noch sehr sinnvoll. Ich habe das “Spiel” gerade getestet und empfehle euch es auch mal zu tun: HIER!

Einige Bilder sind zwar sehr schockierend und drastisch, aber es ist niemals übertrieben oder gar voyeuristisch. Zum einen kann es helfen, die Katastrophe bzw. deren Nachwirkungen zu verstehen, und zum anderen kann es sicherlich auch als Teil der Vorbereitung auf solche Einsätze genutzt werden. Die mediale Erinnerung, die ja oftmals recht schnelllebig ist, wird dadurch in jedem Fall sitmuliert.

Fotos: elearningexamples

eHandwerk: Universe of Culture [Serious Game]

Und wieder einmal gibt es spannende Neuigkeiten aus dem Bereich Serious Games. Zur Erinnerung: Das sind die Spiele, die niemanden interessieren weil sie den Joystick durch einen erhobenen Zeigefinger ersetzen bei denen man etwas lernen kann und die trotzdem Spaß machen sollen.

Wie wir ja alle wissen, findet vom 01.02. – 03.02. 2011 die 19. LEARNTEC in Karlsruhe statt. Das junge Münchner Unternehmen Forty Games OHG wird dort sein erstes Produkt vorstellen: das Multiplayer-Science-Fiction-Adventure „Universe of Culture”. Sinn und Zweck dieses Spiels werden auf dem offiziellen Entwickler-Blog folgendermaßen beschrieben: Das Serious Game soll dazu dienen, Menschen auf andere Kulturen vorzubereiten und sie für die Wahrnehmung der Unterschiede zu sensibilisieren. Das Lernen selbst geschieht im Hintergrund, denn in erster Linie muss das Spiel natürlich unterhalten und Spaß machen.

Zielgruppe sind insbesondere international agierende Unternehmen, Institutionen und Organisationen, die ihre Mitarbeiter auf eine Auslandsentsendung vorbereiten wollen. Mithilfe des Serious Game trainieren sie ihre interkulturellen Kommunikationsfähigkeiten.

Die Forty Games OHG wurde im März 2010 gegründet. Die drei Unternehmer Arne Kaiser, Stefan Link und Lutz Petrean entwickeln auf einem modularen Baukasten aufbauende, browserbasierte Serious Games für die berufliche Aus- und Weiterbildung in Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Organisationen und Institutionen. Die Produkte werden an die individuellen Kundenbedürfnisse angepasst und als Software-as-a-Service vertrieben.

Was haltet Ihr davon? Ich bin ja, wie man sehen kann, bei solchen Projekten immer etwas skeptisch. Aber sobald es erste Berichte, Screenshots und Demos gibt, lass ich mich gerne vom Gegenteil überzeugen und halte Euch auf dem Laufenden. Denn eines ist klar: Ambitionen haben die Jungs von Forty Games in jedem Fall..