Vor einiger Zeit hatten wir euch die Trends des E-Learnings aus dem NMC Horizon Report 2012 in einer kleinen Serie vorgestellt. In der Untersuchung wurden unter anderem Tablets wie das iPad als große Innovation im Bildungsbereich gefeiert. Doch es gibt auch kritische Stimmen.
Aktuell findet zum Horizon Report der Open Course 2012 (OpCo12) statt, eine Online-Seminarreihe rund um das Thema E-Learning. Im Rahme dieser Veranstaltung kam auch Kritik am Einsatz von Tablets in Bildungseinrichtungen auf. Konkret bezeichnete einer der geladenen Experten Tablets als Hype. In fünf Thesen erklärt Beat Doebeli Honegger, Professor für Medienbildung und Informatikdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz, warum er keine Zukunft für den Tablet-Einsatz in der Bildung sieht.
Tablets für alle
Mobile Geräte wie das iPad seien nicht mehr als multimediale Kinderbücher, so eine seiner provokanten Thesen. Im Großen und Ganzen könnten sie nicht mehr als herkömmliche Laptops. Lediglich im Vorschulbereich sieht Doebeli Honegger Vorteile, da durch die Steuerung über den berührungsempfindlichen Bildschirm auch Kleinkinder intuitiv die Tablets nutzen könnten und mit den richtigen Lernapps ein multimediales Feedback bekämen.
Zudem sei es schwierig Tablets in der Schule einzusetzen, da sie so ausgelegt sind, dass sie nur einen Nutzer haben. Dadurch würde es kompliziert, wenn sich mehrere Schüler ein Gerät teilen müssten. Konkret äußere sich dies beispielsweise bei Lernanwendungen die persönliche Daten nutzen und Lernfortschritte speichern. Durch mehrere Benutzer sei der Vorteil der Individualisierung passé. Doebeli Honegger fordert deswegen: „Wenn Tablets in der Schule, dann bitte 1:1!“ Außerdem sei es sowieso bald der Regelfall, dass jeder Haushalt über einen mobilen Computer verfüge, sei es nun Tablet, Netbook oder Smartphone. Daher sollte langfristig über die BYOD-Strategie nachgedacht werden. Das heißt Bring your own device und soll Lernenden erlauben, ihre eigenen Geräte beispielsweise in der Schule einzusetzen.
Ein Notebook als Ergänzung
Prinzipiell sei der Einsatz von Tablets jedoch beschränkt. „Ab einem gewissen Alter werden die Projekte und Aufgaben in der Schule aber grösser, aufwändiger und komplexer und dann reicht ein Tablet nicht mehr aus“, sagt Doebeli Honegger. Besondern beim Verfassen längerer Texte sei die virtuelle Tastatur ein Nachteil. Diese Erfahrungen kennt der Schweizer auch von seinen Studenten: Selbst wer ein Tablet habe, nutze meist zusätzliche ein Notebook oder einen Desktop-PC.
Gesamt betrachtet, kommt Doebeli Honegger zu dem Ergebnis, dass Tablets keinerlei didaktische Innovation gebracht hätten und im Bildungsbereich daher überflüssig seien.
Doebeli Honegger sagt selbst, dass seine Thesen bewusst provokativ formuliert sind und lässt sie deswegen auch nicht unkommentiert im Raum stehen. In seinem eigenen Wiki und auf einer offenen Diskussionsplattform setzt er sich mit der Kritik an seinen Thesen auseinander.

