Internationales Hochschul-Ranking: Kaum Chancen für deutsche Unis

Die LMU hat unter den deutschen Unis des besten Ruf. Foto: digital cat/flickr.com

Die LMU hat unter den deutschen Unis des besten Ruf. Foto: digital cat/flickr.com

Freude in München: Die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) gehört zu den führenden Universitäten Europas. Und auch weltweit gesehen zählt sie zu den 50 besten. Das sagt das Times Higher Education World Reputation Ranking 2013, das kürzlich veröffentlicht wurde. An der Spitze stehen, wie schon in den Vorjahren, die üblichen Verdächtigen: die US-Elite-Unis.

Bei der Rangliste geht es allerdings weniger um die tatsächliche Qualität der Lehre oder die Zufriedenheit der Studenten, sondern um den Ruf der Hochschulen. Es ist also das richtige Marketing gefragt, um auf den vorderen Plätzen zu landen. Über das Abschneiden haben 16.639 Wissenschaftler aus 144 Ländern entschieden, die an der Umfrage teilgenommen haben. Sie sollten angeben, welche Hochschule sie in ihrer Disziplin als führend empfinden. Bewertet wurde der Ruf der Lehre und der Forschung, die zusammen die allgemeine Reputation ergeben.

USA und Großbritannien dominieren

Als deutsche Hochschule mit dem besten Ruf hat sich, wie schon im vergangenen Jahr, die LMU herausgestellt. Sie landete mit einem Reputations-Wert von acht auf Rang 44 und damit deutlich hinter den Spitzenplätzen, die die Harvard-University (Reputations-Wert 100), das Massachusetts Institute of Technology (87,6), die britische University of Cambridge (81,3) und die University of Oxford (78)belegen. Das Ranking zeigt, dass vor allem US-Unis und Hochschulen aus dem Vereinten Königreich führend sind, was den Ruf angeht. Unter den Top 20 befinden sich nur zwei Einrichtungen aus anderen Ländern.

Vernachlässigt man diese Hochschulen, zeigt sich, dass die LMU eine der besten Reputation unter den europäischen Unis hat. Innerhalb Kontinentaleuropas landet sie hinter der ETH Zürich auf Platz zwei. Für ganz Europa steht immerhin noch Platz sieben. Im Vergleich zum Vorjahr hat die LMU allerdings zwei Plätze verloren.

 LMU-Präsident Bernd Huber freut sich dennoch. In einer Mitteilung heißt es:

„Das Ranking untermauert unsere herausragende Stellung unter den europäischen Universitäten und bestätigt eindrucksvoll die hervorragende Arbeit unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den Fakultäten und die Leistungsfähigkeit der LMU.“

Nur vier weitere deutsche Unis in den Top 100

Die LMU ist aber nicht die einzige deutsche Hochschule, die es in das Ranking geschafft hat. Da die Rangliste ab Platz 50 keine genauen Angaben zur Platzierung macht, lassen sich die Positionen nicht genau bestimmen. Die TU München liegt jedoch zwischen Rang 61 und 70, die Humboldt-Universität in Berlin und die Uni Heidelberg landen zwischen den Plätzen 71 und 80 und auch die Freie Universität Berlin hat es irgendwo zwischen die Plätze 91 und 100 geschafft.

Exzellenz-Unis: Keine verbesserte Lehre?

Trotz der Exzellenzinitiative wird die Lehre im Hörsaal nicht besser. Foto: Daniel Ullrich/licensed as CC-by-sa

Freude in Bremen, Trauer in Göttingen – vergangene Woche wurden fünf deutsche Hochschulen in den Kreis der Elite-Universitäten aufgenommen, drei mussten diesen Titel abgeben. Mit der Auszeichnung dürfen sich die Unis nicht nur mit dem Prädikat „Exzellenz“ schmücken, sondern auch noch über finanzielle Unterstützung freuen: Bis 2017 sollen insgesamt 2,7 Milliarden Euro an die Hochschulen ausgezahlt werden. Das Geld soll der Forschung zu Gute kommen.

Studenten profitieren davon wenig, wenn es um ihre Studienbedingungen geht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), die die Platzierungen der Elite-Unis in ihrem Ranking mit denen anderen Unis für bestimmte Fächer vergleicht. Die Autorin der Studie stellt dabei zwar fest, dass sich die allgemeinen Studienbedingungen in den Fächer Humanmedizin, Geowissenschaften und Germanistik an Elite-Unis verbessert haben, doch das ist nicht bei allen Fächern so.

Kein Trend zur Verbesserung

Die Gesamtübersicht der Studie zeitg, wo die Studienbedingungen besser und wo schlechter geworden sind. Quelle: Centrum für Hochschulentwicklung

In den Fächern Biologie, Physik und Zahnmedizin haben sich die Studienbedingungen laut der CHE-Umfrage verschlechtert, sodass kaum Unterschiede zwischen Exzellenz-Universitäten und anderen Universitäten festgestellt werden können. Ein großer Unterschied zeigt sich sogar bei den Studiengängen Informatik und Romanistik. Hier liegen herkömmliche Universitäten meist auf den obersten Plätzen bei den Studenten, während die Elite-Unis das Nachsehen haben.

„Es kann weder von einer generellen Verschlechterung in der Lehre, bzw. bei den Studienbedingungen, noch pauschal von einer positiven Beeinflussung durch die Exzellenzinitiative gesprochen werden“, lautet das Fazit der Studie.

Trampelpfade zwischen Forschung und Lehre

Dieses Ergebnis unterstreicht, was viele Experten bislang bemängelt haben. Auf der Suche nach Exzellenz an deutschen Universitäten, wird die Verbesserung der Lehre allzu oft vernachlässigt. „Von dem Geld, mit dem die Politik ausgewählte Universitäten flutet, hat der Student im Hörsaal erst einmal nichts. Vielleicht entstehen in den Exzellenzstrukturen hie und da Forschungsprojekte, die auch Studenten einbinden. Forschung und Lehre sind aber nach wie vor zwei Welten, und zwischen ihnen bestehen meist keine breitspurigen Verbindungsstraßen, sondern allenfalls Trampelpfade“, heißt es beispielsweise in einem Kommentar auf süddeutsche.de.

Zwar gibt es den Qualitätspakt Lehre, der sich genau um dieses Problem kümmern soll, doch im Vergleich zur Exzellenzinitiative sind die zwei Milliarden Euro, die bis 2020 ausgezahlt werden sollen, gering. Interessant bleibt daher, wie sich die Studienbedingungen in Zukunft verändern. Mit der neuen Runde der Exzellenzinitiative wurden nämlich auch erstmals Konzepte zur forschungsorientierten Lehre berücksichtigt.

CHE-Ranking: Fluch und Segen

CHE RankingEs sind die großen Fragen nach dem Abitur: Was studieren? Und vor allem: wo? So schwierig die Wahl des richtigen Studienfaches ist, die richtige Uni für sich zu finden ist mindestens genauso kompliziert. Deshalb ist das Ranking der Wochenzeitung Die Zeit und des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) der Bertelsmann Stiftung ein beliebter Indikator für Studenten, um einen Einblick in die Qualität der möglichen Studienorte zu erhalten. Vergangene Woche wurde das CHE-Ranking 2012/2013 veröffentlicht.

Eine wichtige Rolle bei der Erstellung der Rangliste spielen verschiedene Faktoren. Dazu gehören zum einen grundlegende Informationen zum Studium und zur Ausstattung. Zum Beispiel: Wie viele Studenten hat der Fachbereich? Wie groß ist der Bestand der Bibliothek? Wie hoch sind die Gebühren an der Hochschule? Zum anderen wird auch die Lehre und Forschung untersucht. Hier wird besonders auf die Zahl der Promotionen und Drittmittel geachtet, aber auch Wert auf die Urteile von Studierenden und Professoren gelegt. Diese wurden nach den Studienbedingungen an ihrer Hochschule sowie der Reputation der einzelnen Fachbereiche innerhalb der Professorengemeinschaft befragt. Beim aktuellen Durchlauf waren es mehr als 250.000 Studierende, die insgesamt 37 Studienfächer bewertet haben.

Kritikanfälliges Ampelsystem

Zu den beliebtesten Studienrichtungen gehörten in den vergangenen Jahren vor allem die Fächer Betriebswirtschaftslehre, Maschinenbau, Informatik und Germanistik. Aber auch die Klassiker Medizin und Jura sind Dauerbrenner an den Universitäten. In der Ärzteausbildung haben laut CHE-Ranking die Universitäten in Heidelberg, Greifswald, Witten-Herdecke und Würzburg die Nase vorne. Rechtswissenschaften sollen an der privaten Hamburger Bucerius Law School, der Universität Halle-Wittenberg sowie an den Unis in Passau und Bayreuth sehr gut sein.

Dank Ampelsystem mit den Farben grün, gelb und blau macht es das Ranking einfach, die Studiensituation an der Wunschuni einzuschätzen. Darin liegt aber auch eines der größten Probleme der CHE-Rangliste. Regelmäßig wird die Auflistung kritisiert. Ein großer Mangel ist unter anderem, dass der Datensatz und eine detaillierte wissenschaftliche Beschreibung nicht veröffentlicht werden und somit die Ergebnisse nicht nachvollziehbar sind. Kritiker nennen das unwissenschaftlich. Zudem kommt auch immer der Vorwurf von wirtschaftlichen Interessen auf, da hinter der Bertelsmann Stiftung der private Medienkonzern Bertelsmann steht.

Nur eine Hilfestellung

Fragwürdig für viele Kritiker ist außerdem, ob man gute Lehre und Forschung in der Form eines Rankings messen kann. “Man kann Publikationsleistungen nicht durch Seitenzählen ermitteln. Außerdem spiegelt sich die Bedeutung der Forschung für die Lehre in den Kriterien nicht wider”, zitiert die Frankfurter Rundschau Andreas Archut, Sprecher der Uni Bonn in einem Artikel aus 2009. In diesem Jahr hatte sich die gesamte Universität dazu entschlossen, nicht mehr am Ranking teilzunehmen. In der aktuellen Auflage ist die Hochschule jedoch wieder vertreten, nachdem das CHE wesentliche Kritikpunkte der Universität aufgenommen hat.

Dennoch bleibt das CHE-Ranking umstritten. Als erste Orientierung für Studienanfänger ist es aber gewiss hilfreich. Letztendlich können Rankings, egal wie objektiv, nur eine Hilfestellung geben. Ob eine Uni zu einem passt oder nicht, weiß man erst, wenn man dort eine Zeit studiert hat.